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Heuschnupfen - das hilft!

Bei Heuschnupfen spielt unsere Immunabwehr verrückt. Blütenpollen rufen eine Überreaktion unseres Immunsystems hervor. Die Folge sind unangenehme Symptome, die von Schnupfen bis Magen-Darm-Beschwerden reichen. Die Palette der Behandlungsmethoden ist aber ebenso groß.
Viele Menschen leiden Jahr für Jahr unter Heuschnupfen – reagieren also allergisch auf Blütenpollen. Die Symptome der allergischen Rhinitis, wie sie auch genannt wird, sind aber individuell unterschiedlich:

Das Repertoire reicht von Niesanfällen, juckender, laufender oder verstopfter Nase über gerötete, tränende oder juckende Augen bis hin zu Husten, Asthmaanfällen und pfeifender Atmung. Es können auch Hautreaktionen inklusive Juckreiz auftreten sowie Juckreiz in den Ohren oder am Gaumen. Manche reagieren aber auch mit Magen-Darm-Beschwerden.

Hinzu kommt, dass Betroffene durch ihre Beschwerden oft in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Schlafstörungen aufgrund erschwerter Atmung oder Juckreiz, Abgeschlagenheit sowie Leistungseinschränkungen am Tag sind keine Seltenheit.
Die „Übeltäter“
Im Wesentlichen stammen die allergieauslösenden Pollen von Kräutern, Bäumen oder Gräsern. Bei den Bäumen wirken vor allem Birke, Hasel, Erle und Esche allergen, bei den Gräsern die Süßgräser, und bei den Kräutern rufen am ehesten Beifuß und Ambrosia unangenehme Reaktionen hervor. Als hochallergen gelten besonders die Pollen der Ambrosia – viele kennen diese Pflanze unter ihrem englischen Namen Ragweed. Von Nordamerika aus hat Ambrosia erst vor kurzem ihren Weg nach Europa gefunden und nistet sich nun bevorzugt an Straßenrändern, auf Baustellen oder Äckern ein. Aufgrund der hohen Anzahl allergischer Reaktionen setzen einige Länder bereits auf Gegenmaßnahmen: So herrscht etwa in der Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht . 2017 hat Österreich mit einer Online-Meldestelle auf das Problem reagiert. Unter www.ragweedfinder.at können Bürger Funde von Ambrosia melden.
Ausgedehnte Blühzeiten
Die späte Blütezeit der Ambrosia von Juli bis Oktober und die Tatsache, dass die Purpurerle bereits ab Dezember blüht, führen außerdem dazu, dass sich die pollenfreie Zeit auf bis zu zwei Monate im Jahr verkürzt. Freilich ist das auch von der Wetterlage und der Menge der Pollen abhängig.
Reaktionen auf „nahe Verwandte“
Manchmal reagiert das Immunsystem bei einer Pollenallergie auch noch auf bestimmte ähnliche Allergene. Eine solche Kreuzreaktion führt z. B. dazu, dass manche Birkenpollen-Allergiker keine rohen Äpfel oder Nüsse vertragen. Anzeichen dafür sind etwa ein Jucken im Rachenraum, Taubheit oder Schwellungen im Mundbereich. Grund ist, dass die Eiweiße mancher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Gewürze, Nüsse) den Eiweißstrukturen der Pollen ähneln. Kreuzallergien gibt es auch bei anderen Stoffen. Wer gegen Latex allergisch ist, verträgt unter Umständen auch keine Bananen, und Hausstauballergiker reagieren bevorzugt auf Krustentiere.
Bei Regen: Raus oder rein?
Bei einsetzendem Regen ist die Pollenbelastung besonders hoch, da die Pollen zunächst aufgewirbelt werden. Daher ist es bei kurzen, heftigen Schauern ratsam, als Pollenallergiker erst einmal im Trockenen zu bleiben und die Fenster zu schließen. Denn durch den Regen quellen die Pollenkörner auf, platzen und setzen dabei eine hohe Konzentration von Allergenen frei. Etwa eine halbe Stunde nach Einsetzen des Regens nimmt die Pollenbelastung wieder ab. Ist der Regenschauer vorbei, ist es ein guter Zeitpunkt für einen Spaziergang oder um die Wohnung zu lüften – denn dann ist die Pollenbelastung besonders gering.
Spurensuche
In erster Linie sollten Sie versuchen, die jeweiligen Allergene so gut es geht zu meiden. Oftmals ist das aber gar nicht so einfach. Wenn Sie glauben, dass Sie unter Heuschnupfen leiden, ist es ratsam diesen Verdacht gemeinsam mit Ihrem Arzt abzuklären. Ähnliche Reaktionen werden nämlich auch bei Allergien gegen Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze beobachtet. Es kann helfen, ein Beschwerdetagebuch zu führen, um den Allergenen auf die Spur zu kommen. Notieren Sie sich einfach die Art und Häufigkeit der allergischen Reaktion sowie den Ort und die Tageszeit. Mitunter ist es im ersten Moment auch nicht so einfach abzuwägen, ob es nun ein Heuschnupfen oder doch nur ein gewöhnlicher Schnupfen ist.
Tests zur Abklärung
Nach einem Arzt-Patienten-Gespräch wird der Arzt eventuell einen Hauttest durchführen, um den Verdacht auf eine Allergie abzuklären. Meist kommt hier der Pricktest zum Einsatz: Auf der Innenseite der Unterarme werden winzige Mengen der verdächtigten Allergene eingeritzt. Nach einer Wartezeit von rund 20 Minuten werden mögliche Hautreaktionen ausgewertet. Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung ist auch ein Bluttest möglich.
„Etagenwechsel“ vermeiden
Wird eine Allergie nicht ausreichend behandelt, besteht die Gefahr eines Etagenwechsels. Das bedeutet, dass z. B. allergischer Schnupfen zu allergischem Asthma führen kann. Die Erkrankung greift also von den oberen auf die unteren Atemwege über. Deshalb ist es wichtig, eine Allergie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Je nach Schweregrad gibt es unterschiedliche Therapieansätze. Die unangenehmen Symptome lassen sich bei nicht so starken Allergieformen gut mit in der Apotheke frei erhältlichen Arzneimitteln behandeln.
Die Symptome bekämpfen
Je nach individuellen Beschwerden kommen unterschiedliche Arzneimittel in Form von Tabletten, Tropfen, Sprays, Salben oder Inhalationslösungen für eine Behandlung in Frage. Gute Wirkungen erzielen Antihistaminika, Cromone und Medikamente mit Kortison. Bei leichten Beschwerden können auch Nasenspülungen oder befeuchtende Nasensprays mit Meersalz oder Kochsalzlösung helfen. Außerdem existiert eine Reihe von homöopathischen Mitteln. Nasentropfen oder -sprays mit abschwellender Wirkung, wie sie bei normalem Schnupfen zum Einsatz kommen, sind übrigens nicht für die Behandlung allergischer Reaktionen geeignet.
Bei leichten Beschwerden
Antihistaminika haben sich bei der Therapie allergischer Beschwerden bewährt und sind oft rezeptfrei erhältlich. Ihr Apotheker kann Sie dazu beraten. In Nasensprays sind oft die Substanzen Azelastin und Levocabastin enthalten. Neben Antihistaminika wendet man bei Heuschnupfen auch Cromone an, die sowohl lokal als Augentropfen oder Nasensprays eingesetzt werden als auch als Inhalationslösung bei allergischem Asthma. Sie haben allerdings eine schwächere Wirkung als Antihistaminika und eignen sich eher zum prophylaktischen Einsatz, da ihre Wirkung meist erst nach ein paar Tagen bis wenigen Wochen einsetzt. Als Wirkstoffe sind hier Cromoglicinsäure und Nedocromil zu nennen.
Kortison bei starker Allergie
Wenn die Beschwerden besonders hochgradig sind, reichen die rezeptfreien Arzneimittel nicht mehr aus. Dann sind möglicherweise auch Medikamente mit Kortison anzudenken, die sehr gute Wirkung zeigen. Spezielle Nasensprays sorgen dafür, dass die Nasenschleimhäute abschwellen und man wieder entspannt durchatmen kann. In den meisten Fällen werden eine verstopfte Nase oder gereizte Augen lokal mit Kortisonpräparaten behandelt. Die Kortisontabletten kommen nur dann zum Einsatz, wenn wirklich starke Beschwerden vorliegen oder mit Asthmaanfällen zu rechnen ist.
Regelmäßig überprüfen
Da auch bei rezeptfreien Medikamenten Nebenwirkungen auftreten können, ist ein Gespräch mit dem Apotheker ratsam. Zu beachten ist auch, dass Heuschnupfen während der Jahreszeiten unterschiedlich stark wahrgenommen werden kann. Ihr Apotheker schlägt Ihnen dann eventuell ein anderes Mittel vor.
Therapie: die Desensibilisierung
Mit all diesen Präparaten lässt sich die Allergie allerdings nicht aufhalten. Wer langfristig erscheinungsfrei werden möchte, kann sich zurzeit für eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierungstherapie genannt, entscheiden. Diese führt dazu, dass sich der Körper an die allergieauslösende Substanz gewöhnt und die lästigen allergischen Reaktionen abnehmen. Die Therapie erfolgt entweder mittels Impfkur oder mit Tabletten. Der Haken an der Sache ist, dass die Behandlung relativ aufwändig ist, und in der Regel mindestens drei Jahre in Anspruch nimmt. Es dauert ein paar Monate, bis die Tabletten bzw. Spritzen eine erste Besserung bewirken, aber es lohnt sich. Zwar kann auch die spezifische Immuntherapie keine Allergie heilen, aber es besteht die Aussicht auf eine wesentliche Verbesserung bis hin zur jahrelangen, absoluten Erscheinungs-freiheit. Für die Therapie spricht auch, dass ein Etagenwechsel verhindert werden kann.
Kommt 2021 ein Impfstoff?
Im Jänner 2018 gaben Forscher der MedUni Wien bekannt, den weltweit ersten Impfstoff gegen Pollenallergie entwickelt zu haben. Bis der synthetisch hergestellte Impfstoff BM32 auf den Markt kommt, müssen wir uns aber noch voraussichtlich bis 2021 gedulden. Bemerkenswert ist, dass der Impfstoff die Heuschnupfen-Symptome um rund 25 Prozent – bei weiteren Auffrischungen auch mehr – lindern kann. Zudem ist ein präventiver Einsatz denkbar. Und auch jene, die gegen Hausstaubmilben, Katzen und Ragweed allergisch sind, dürfen hoffen – laut Einschätzung der Wissenschafter lässt sich der Impfstoff entsprechend anpassen.
Tipps aus Ihrer (Drau) Apotheke
In erster Linie gilt es, die Allergieauslöser so gut es geht zu meiden. Auch wenn das nicht immer einfach ist, gibt es doch ein paar Tricks:
  • Halten Sie sich an Tagen mit hoher Belastung möglichst wenig im Freien auf.
  • Lüften Sie nur zu belastungsarmen Zeiten oder bringen Sie Pollenschutzgitter an den Fenstern an.
  • Halten Sie Fenster und Schiebedach während der Autofahrt geschlossen; sofern Sie keinen Pollenfilter eingebaut haben, ist es ratsam, die Lüftung abzuschalten. Der Pollenfilter sollte regelmäßig ausgetauscht werden.
  • Eine Sonnenbrille hält die Pollen von Ihren Augen fern.
  • Der Rasen sollte möglichst kurz geschnitten sein. Allergiker sollten das Mähen anderen überlassen.
  • Waschen Sie täglich Ihr Haar.
  • Bestenfalls sollten Sie Ihre Kleidung nach jedem Aufenthalt im Freien waschen.
  • Nasse Wäsche sollte zum Trocknen nicht im Freien aufgehängt werden.
  • Kleidung sollte nicht im Schlafzimmer an- oder ausgezogen werden.
  • Auch das Staubsaugen sollten Sie jemand anderem überlassen. Statten Sie zudem Ihren Staubsauger mit einem HEPA-Allergenfilter aus.
Quelle: DA-Die Apotheke März 2018
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